115. Brigitte Distler a Primo Levi, 31 marzo 1962
Brigitte Distler, giovane studentessa universitaria di Monaco, figlia del musicista Hugo Distler, scriva a Levi di essersi “sentita chiamata in causa” da una frase della Prefazione di Ist das ein Mensch? ed espone le proprie impressioni sulla Germania odierna.
31.März 1962
Sehr geehrter Herr Dr. Levi!
Schon lange wollte ich Inen schreiben, empfinde es aber auch jetzt noch als Anmaßung, mich an eine Persönlichkeit wie die Ihre zuwenden. Ich studiere noch nicht lange an der Universität in München und wohne in den bayrischen Bergen.[1] Letzten Sommer las ich Ihren Bericht über Ihre Haft in Auschwitz und beschloß, Ihnen zu schreiben.[2]
Sie schreiben in der deutschen Ausgabe Ihres Buches an den Übersetzer: „Ich hoffe, daß dieses Buch einigen Widerhall in Deutschland findet”.[3] Ich weiß, daß Sie vor allem ein Echo in der deutschen Öffentlichkeit erwarteten, von Politikern, Literaten und anderen führenden Persönlichkeiten. Dennoch fühlte ich mich angesprochen; denn wir „Erben“ des Hitler-Regimes sind wie unsere Eltern mitschuldig an dem furchtbaren Unrecht, das wir Ihnen antaten. Mitschuldig insofern, als für uns die Zeit noch nicht gekommen ist, unser „Anders-Handeln” unter Beweis zu stellen.
Es ist zwar wahrscheinlich, daß wir Nachkommen das gleiche Verbrechen nicht nocheinmal verüben werden, da wir durch Elternhaus, Schule und Universität ausreichend informiert wurden über jene unselige Zeit des „Dritten Reiches”; es wird alles getan, um uns zu human denkenden und handelnden Menschen zu erziehen.
Doch bin ich nicht sicher, daß nicht eines Tages die dem Deutschen eigentümliche Maßlosigkeit in neuem Kleid und auf ein neues Ziel gerichtet wieder hervorbrechen wird. Es ist traurig, berichten zu müssen, daß noch sehr viele Studenten jede Verantwortung für die Politik unseres Landes und der Welt ablehnen; sie sind stolz auf ihre ausschließlich auf das Schöngeistige[4] gerichtete Individualität und hegen[5] noch die kleinbürgerliche Auffassung von der Politik als etwas Schmutzigem, wofür es nicht lohnt sich zu Interessieren.
Obwohl ich nur ein Mädchen bin, weder Autorität ausstrahle noch überzeugend diskutieren kann, versuche ich diese Einstellung zu bekämpfen und habe manchmal schon Erfolg gehabt.
Ich erzähle Ihnen das nur, um Ihnen zu zeigen, daß ich und mit mir viele andere junge Menschen versuchen, durch aufmerksames Verfolgen der Politik, durch Diskussion und Kritik wenigstens die notwendigen Grundlagen zu schaffen, von denen aus wir hoffen, als Erwachsene eine bessere Politik führen zu können als unsere Eltern es taten.
Schon ziemlich früh durch Literatur und Schule mit den Erscheinungen des deutschen Antisemitismus und seinen entsetzlichen Folgen in Berührung gekommen, machte ich bei Erwachsenen wie Jugendlichen die verschiedensten Beobachtungen, wenn das Gespräch auf dieses Thema kam. Ich möchte sie Ihnen mitteilen als rein subjektive und anfechtbare[6] Eindrücke. Es schneiden mit ihren Äußerungen dabei die Erwachsenen sehr viel schlechter ab als die Jugendlichen. Das ist bis zu einem gewissen Grade verständlich, denn welcher Vater gibt vor seinem Kind gerne zu, er hätte tatenlos zugesehen, als sien Nachbar im gleichen Haus mißhandelt, vergast und erschossen wurde.
Doch deprimierend ist es, aus dem Munde eines Pfarrers hören zu müssen, die Juden hätten etwas Arteigenes ans sich, was sie in aller Welt unbeliebt mache, sodaß man ihnen noch nach Jahrhunderten der Vermischung den „Juden“ ankenne. Mein Protest damals war leider zu empört und unsachlich, um Erfolg zu haben.
Oder meine Russischlehrerin, eine Russin, die die Schuld an der russischen Revolution den russischen Juden zuschreibt und die Verfolgung unter Hitler als ihre gerechte Strafe ansieht.
Eine kleine, alte Beamtenwitwe aus Salzburg mit roten Blumen auf dem Hut fängt während einer Eisenbahnfahrt plötzlich an zu lamentieren: „… ja, und jetzt sitzen sie schon wieder in den höchsten Positionen und verdrängen die weit Talentierteren unseres Landes! Was haben sie bei uns zu suchen, sollen sie doch in ihr eigenes Land gehen, statt …”
Diese und andere Äußerungen klangen mir wie Mordgeschrei in den Ohren. Sie werden vielleicht verstehen, daß ich mich in solchen Augenblicken unsagbar schämte, zum barbarischsten Volk der Welt zu gehören. Weit entfernt von jedem Mystizismus und Aberglauben, bin ich überzeugt, daß uns Deutsche die gerechte Strafe für unser Tun ereilen[7] wird und ich weiß, daß ich mit dieser Annahme nicht allein stehe.
Abgesehen von solchen Überlegungen stelle ich mir die Frage, wie man jenen Menschen begegnen soll, die aus Fanatismus und meistens daneben auch aus unversöhnlicher[8] Altersstarrheit heraus keinerlei Neigung zeigen, ihre „Ansichten und Meinungen” zu revidieren?
Meine Antwort ist weder befriedigend noch besonders intelligent, doch weiß ich bis jetzt noch keine bessere: Der einzige Weg, solche Menschen zumindest nachdenklich, im Glücksfalle schwankend zu machen, scheint mir der zu sein, ihnen durch unser vernünftiges Handeln, durch unser bloßes „Gut-Sein“ imbesten Sinne und zwar in allen Lagen und Zeiten unvermindert stark zu zeigen, daß unser Weg der richtige, der fruchtbringende ist und nicht der ihre.
Die wenigen Jungen und Mädchen meines Alters, deren Eltern noch heute dem Nazi-Reich anhängen, können zwar durch den Einfluß ihrer Eltern ebenso fanatisch sein wie diese, doch werden sie einmal in den staatlichen Ausbildungsstätten den genannten Problemen immer wieder gegenübergestellt; zum andern ist es wahrscheinlich, daß sie durch gemeinsame Interessen oder gleiche Ausbildung mit anders-denkenden Altersgenossen zusammenkommen. Nicht zuletzt aber sind sie eben noch jung und daher formbarer und beweglicher als die Erwachsenen.
Manches wäre noch zu sagen, doch ist mein Brief schon viel zu lang geworden und gleicht immer mehr einem schlechtgeratenen Schulaufsatz. Trotzdem ist es mein sehnlichster Wunsch, Sie möchten aus meinen Zeilen gesehen haben, daß wir Kinder einer schuldbeladenen Generation uns dieser Schuld in ihrer ganzen Größe bewußt sind und alles versuchen werden, die Not und das Leid von gestern zu mildern, ein ähnliches Unheil von morgen aber zu verhindern.
In diesem Sinne bitte ich Sie, meinen Brief als eine geringe Geste der Menschlichkeit Ihnen und allen Leidenden jener Zeit gegenüber anzusehen, die nichts wiegt im Vergleich zu dem, was wir Ihnen zugefügt haben.
Ihre
Brigitte Distler
P.S.: Gerne hätte ich Ihnen in meiner eigenen Handschrift geschrieben, doch ist sie wegen ihrer Unlesbarkeit niemandem – am wenigsten Ihnen – zumutbar. Ich bitte Sie deshalb, mir die äußerliche Unpersönlichkeit meines Schreibens nachzusehen.
Brigitte Distler
31 marzo 1962
Egregio Dott. Levi
da tempo Le volevo scrivere, ma ancora adesso mi sembra presuntuoso rivolgermi a una personalità come è la sua. Da non molto tempo sono studentessa all’Università di Monaco, e abito nei monti di Baviera.[1] La scorsa estate ho letto il suo racconto della sua cattività in Auschwitz, e ho deciso di scriverLe.[2]
Nella edizione tedesca del suo libro Lei scrive al suo traduttore: «Spero che questo libro trovi risonanza in Germania».[3] So che Lei si aspettava principalmente una eco da parte degli ambienti ufficiali, dei politici, dei letterati e di altre importanti personalità: tuttavia mi sono sentita chiamata in causa, perché noi, “eredi” del regime Hitleriano, siamo complici, come i nostri genitori, della orrenda iniquità che vi abbiamo inflitta. Complici, in quanto per noi non è ancora giunto il tempo di mettere alla prova la nostra capacità di agire altrimenti.I
È ben probabile che noi epigoni non ripeteremo lo stesso delitto, poiché sia in casa che a scuola e all’università siamo stati informati a sufficienza sul tempo infausto del “terzo Reich”: nulla infatti viene trascurato per educarci a uomini capaci di pensare e agire secondo umanità. Ma non sono sicura che un giorno la mancanza di misura che è propria ai tedeschiII non prorompa nuovamente, sotto altra veste e diretta ad altri scopi. È triste dover riferire che sono ancora molti gli studenti che rifiutano ogni responsabilità per la politica del nostro paese e del mondo; essi si gloriano del loro individualismo, attratto soltanto da problemi estetici e spirituali,[4] e coltivano[5] ancora la concezione borghese della politica, come qualcosa di sporco, di cui non mette conto di occuparsi. Purtroppo io non sono cheIII una ragazza, non impongo alcuna autorità, né so discutere in modo persuasivo; tuttavia cerco di combattere questa mentalità, e spesso ho già avuto successo.
Le racconto questo soltanto per chiarirle che io e molti altri giovani cerchiamo, seguendo attentamente la politica, con discussioni e critiche, di stabilire almeno i fondamenti sui quali speriamo domani di poter condurre, da adulti, una politica migliore di quella dei nostri genitori.
Ho avuto conoscenza abbastanza presto attraverso la letteratura e la scuola, dei fenomeni dell’antisemitismo tedesco e delleIV sue spaventose conseguenze, e ho avuto modo di fare svariate osservazioni su giovani e adulti, quando il discorso cadeva su questo tema. Gliele vorrei riferire, a titolo di impressioni puramente soggettive e controvertibili.[6] In queste circostanze, gli adulti si esprimono in modo assai peggiore dei giovani. Questo è fino a un certo grado comprensibile: poiché quale padre ammette volentieri davanti al proprio figlio di essere rimasto inerte a guardare, mentre il suo vicino di casa veniva seviziato, mandato in gas, fucilato?
Tuttavia è deprimente dovere udire dalla bocca di un prete, che gli ebrei hanno in sé qualcosa di specifico, che li rende invisi in tutto il mondo, per cui i “giudei”, dopo secoli di commistione, sono facilmente riconoscibili.V Quella volta la mia protesta fu purtroppo così violenta e incomposta, che non ebbe alcun successo.
O la mia professoressa di russo, una russa, che attribuisce la colpa della rivoluzione russa agli ebrei russi, e considera la persecuzione hitleriana come una legittima punizione.
Una vecchietta, vedova di un funzionario di Salisburgo, coi fiori rossi sul cappello, durante un viaggio in ferrovia prende a un tratto a fare le sue lamentazioni: «… già, e adesso sono tutti ritornati ai posti migliori, e prendono il posto dei nostri che valgono molto di più! Cosa vengono a cercare qui? Dovrebbero andarsene al loro paese, e invece…»
Simili modi di esprimersi suonano alle mie orecchie come grida di morte. Lei forse comprenderà come in quei momenti ioVI abbia provato una indicibile vergogna di appartenere al più barbarico fra i popoli della terra. Pure al di fuori di ogni misticismo e superstizione, io sono convinta che noi tedeschi non sfuggiremo alla giusta punizione per quanto abbiamo commesso;[7] e so di non essere la sola a pensare così.VII
A parte queste considerazioni, mi pongo la domanda di come vadano affrontati coloro che, per fanatismo, o spesso anche per inguaribile rigidità senile,[8] non dimostrano alcuna tendenza a rivedere le loro opinioni e posizioni. La mia risposta non è néVIII soddisfacente né particolarmente intelligente, ma non ne posseggo per ora alcuna migliore: il solo modo di obbligare costoro a pensare, o nel caso più fortunato di condurli al dubbio, mi pare sia quello di dimostrare loro in ogni tempo e condizione, con forza incessante, colle nostre azioni ragionevoli, col nostro semplice “essere buoni” nel miglior senso della espressione, che la via giusta, la più fruttuosa, è la nostra, e non la loro.
I pochi giovani della mia età i cui genitori ancora propendono per il nazismo, possono bensì essere altrettanto fanatici quanto questi, per l’influsso che ne ricevono; ma da una parte vengono continuamente messi di fronte ai problemi che ho accennato nel corso dei loro studi scolastici; dall’altra, è assai probabile che si trovino a contatto, grazie a comuni interessi o educazione, con coetanei di diverse opinioni. E infine, sono ancora giovani, e perciò meno rigidi e cristallizzati degli adulti.
Ci sarebbe molto ancora da dire, ma questa lettera è già diventata troppo lunga, e assomiglia sempre più a un componimento mal riuscito. Ciò non ostante, è mio appassionato desiderio che lei possa comprendere dal mio scritto che noi, figli di una generazione carica di colpa,IX siamo consapevoli di questa colpa in tutta la sua grandezza, e faremo ogni cosa per tentare di alleviare gli orrori e i dolori di ieri, e per impedire che si ripetano domani.
In questo senso La prego di considerare la mia lettera come una piccola testimonianza di umanità verso di lei e verso tutti coloro che in quel tempo hanno sofferto; testimonianza che nulla pesa in confronto del dolore che da noi vi è stato inferto.
BRIGITTE DISTLER
8215 Marquartstein / Obb.
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