Wander comunica a Levi il fallimento del progetto di pubblicazione di Ist das ein Mensch? e Atempause, bocciato dal Comitato dei Combattenti della Resistenza Antifascista (KdAW) della DDR.
Wie Sie vielleicht schon vom Aufbau Verlag Berlin erfahren haben, gibt es Schwierigkeiten bei der Herausgabe Ihrer beiden BĂŒcher.Da ich mich gerade im westlichen Ausland befinde, kann ich Ihnen den Sachverhalt deutlicher mitteilen.
Es ist nicht der Verlag und auch nicht das Ministerium, die gegen eine Veröffentlichung gestimmt haben, sondern ein Kreis von etwas verbohrten[1] und senilen Ă€lteren Herren,[2] deren Namen ich nicht kenne, aber den Kreis,[3] zu dem sie gehören, kenne ich. Ich möchte Sie trotzdem bitten, dieses Schreiben vertraulich zu behandeln. Als ich hörte, daĂ Ihre BĂŒcher in diesem Jahr doch nicht gedruckt werden sollen, war ich empört und habe mich in der vergangenen Woche beim stellvertretenden Kulturminister Herrn Höpcke angemeldet. Nun, ich habe mit Höpcke gesprochen und er versicherte mir, daĂ er keineswegs gegen die Herausgabe IhrerBĂŒcher sei, im Gegenteil, er fĂ€nde sie hervorragend, er habe aber doch vor der Meinung einiger Persönlichkeiten kapituliert.[4] Ich erzĂ€hlte ihm, daĂ die gleichen Leute auch gegen die Herausgabe meines Siebenten Brunnens waren und ich ein halbes Jahr kĂ€mpfen muĂte, um alle Argumente â die von jener Seite kamen â zu entkrĂ€ften.[5] Er ist nun einverstanden, mir ein Treffen mit jenen Herren zu arrangieren. Es soll aber erst im Herbst stattfinden, was bedeutet, daĂ Ihre BĂŒcher in besten Fall erst 1983 oder gar erst 1984 erscheinen könnten. Jedenfalls bin ich entschlossen dafĂŒr zu kĂ€mpfen, daĂ sie erscheinen können. Ich erklĂ€rte dem Minister, daĂ wir meiner Meinung nach nicht das Recht haben, auf diese BĂŒcher zu verzichten, nĂ€mlich der Jugend der DDR gegenĂŒber.
Er gab mir vollkommen recht. Ich behaupte auch, daĂ wir bei dem gegenwĂ€rtigen Stand der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit (der miserabel ist) nicht auf das Erscheinen Ihrer beiden BĂŒcher verzichten können. Auch darin gab mir der Minister recht. Die Leute vom Verlag unterstĂŒtzen meine BemĂŒhungen und ich werde Sie an Laufenden halten. Sollten Sie den Wunsch verspĂŒren mir ein paar Worte zu schreiben, dann bitte an meine Wiener Adresse.
Ich grĂŒĂe Sie sehr herzliche und wĂŒnsche Ihnen Gesundheit und
Schaffenskraft, Ihr
Fred Wander
Bitte entschuldigen Sie das schlechte Papier, aber ich schreibe im Hotel und habe in Moment kein anderes Papier zur VerfĂŒgung
Mi ha dato pienamente ragione. Ho anche sostenuto che non possiamo fare e meno di far uscire i suoi libri proprio per lo stato attuale del dibattito sul passato tedesco (che Ăš deplorevole). Anche su questo il Ministro mi ha dato ragione. La casa editrice appoggia i miei sforzi e La terrĂČ al corrente. Se dovesse sentire il desiderio di scrivermi due righe, La prego di farlo al mio indirizzo di Vienna.
La saluto molto cordialmente e le auguro salute ed energia creativa.
Suo
Fred Wander
La prego di scusare la pessima qualitĂ della carta, ma Le scrivo dallâalbergo e al momento non ne ho altra a disposizione.
Fred Wander 1150 Vienna Warustr. 4/20
Mainz, March 14, 1982
Dear, esteemed Mr. Primo Levi,
As you may have already learned from Aufbau Verlag Berlin, there are difficulties regarding the publication of your two books. Since I am currently abroad in the West, I am able to explain the situation to you in greater detail.
It was neither the publishing house nor the ministry that voted against publication, but rather a circle of somewhat stubborn[1] and senile older gentlemen,[2] whose names I do not know, though I am familiar with the circle to which they belong.[3] Nevertheless, I would ask you to treat this letter as confidential. When I heard that your books were not to be printed this year after all, I was outraged and made an appointment last week with the Deputy Minister of Culture, Mr. Höpcke. Well, I spoke with Höpcke, and he assured me that he was by no means opposed to the publication of your booksâon the contrary, he thought they were excellentâbut that he had nevertheless yielded to the opinion of certain influential figures.[4] I told him that the same people were also opposed to the publication of my book The Seventh Well and that I had to fight for half a year to refute all the arguments from their side.[5] He has now agreed to arrange a meeting for me with those gentlemen. However, it is not scheduled to take place until the fall, which means that, in the best-case scenario, your books could be published in 1983 or 1984 at the earliest. In any case, I am determined to fight to ensure that they can be published. I explained to the minister that, in my opinion, we do not have the right to forgo these books, especially not for the sake of the youth of the DDR.
He agreed with me completely. I also maintain that, given the current state of reckoning with Germanyâs past (which is dismal), we cannot do without the publication of your two books. The minister agreed with me on this point as well. The people at the publishing house are supporting my efforts, and I will keep you informed of developments. Should you feel inclined to write me a brief reply, please send it to my address in Vienna.
I send you my warmest regards and wish you good health and creative energy.
Yours,
Fred Wander
Please excuse the poor quality of this paper, I am writing from a hotel and have no other paper available at the moment
Fred Wander
1150 Wien
Warustr. 4/20
Mainz, 14. MĂ€rz 1982
Lieber, verehrter Herr Primo Levi,
Wie Sie vielleicht schon vom Aufbau Verlag Berlin erfahren haben, gibt es Schwierigkeiten bei der Herausgabe Ihrer beiden BĂŒcher.Da ich mich gerade im westlichen Ausland befinde, kann ich Ihnen den Sachverhalt deutlicher mitteilen.
Es ist nicht der Verlag und auch nicht das Ministerium, die gegen eine Veröffentlichung gestimmt haben, sondern ein Kreis von etwas verbohrten[1] und senilen Ă€lteren Herren,[2] deren Namen ich nicht kenne, aber den Kreis,[3] zu dem sie gehören, kenne ich. Ich möchte Sie trotzdem bitten, dieses Schreiben vertraulich zu behandeln. Als ich hörte, daĂ Ihre BĂŒcher in diesem Jahr doch nicht gedruckt werden sollen, war ich empört und habe mich in der vergangenen Woche beim stellvertretenden Kulturminister Herrn Höpcke angemeldet. Nun, ich habe mit Höpcke gesprochen und er versicherte mir, daĂ er keineswegs gegen die Herausgabe IhrerBĂŒcher sei, im Gegenteil, er fĂ€nde sie hervorragend, er habe aber doch vor der Meinung einiger Persönlichkeiten kapituliert.[4] Ich erzĂ€hlte ihm, daĂ die gleichen Leute auch gegen die Herausgabe meines Siebenten Brunnens waren und ich ein halbes Jahr kĂ€mpfen muĂte, um alle Argumente â die von jener Seite kamen â zu entkrĂ€ften.[5] Er ist nun einverstanden, mir ein Treffen mit jenen Herren zu arrangieren. Es soll aber erst im Herbst stattfinden, was bedeutet, daĂ Ihre BĂŒcher in besten Fall erst 1983 oder gar erst 1984 erscheinen könnten. Jedenfalls bin ich entschlossen dafĂŒr zu kĂ€mpfen, daĂ sie erscheinen können. Ich erklĂ€rte dem Minister, daĂ wir meiner Meinung nach nicht das Recht haben, auf diese BĂŒcher zu verzichten, nĂ€mlich der Jugend der DDR gegenĂŒber.
Er gab mir vollkommen recht. Ich behaupte auch, daĂ wir bei dem gegenwĂ€rtigen Stand der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit (der miserabel ist) nicht auf das Erscheinen Ihrer beiden BĂŒcher verzichten können. Auch darin gab mir der Minister recht. Die Leute vom Verlag unterstĂŒtzen meine BemĂŒhungen und ich werde Sie an Laufenden halten. Sollten Sie den Wunsch verspĂŒren mir ein paar Worte zu schreiben, dann bitte an meine Wiener Adresse.
Ich grĂŒĂe Sie sehr herzliche und wĂŒnsche Ihnen Gesundheit und
Schaffenskraft, Ihr
Fred Wander
Bitte entschuldigen Sie das schlechte Papier, aber ich schreibe im Hotel und habe in Moment kein anderes Papier zur VerfĂŒgung
Mi ha dato pienamente ragione. Ho anche sostenuto che non possiamo fare e meno di far uscire i suoi libri proprio per lo stato attuale del dibattito sul passato tedesco (che Ăš deplorevole). Anche su questo il Ministro mi ha dato ragione. La casa editrice appoggia i miei sforzi e La terrĂČ al corrente. Se dovesse sentire il desiderio di scrivermi due righe, La prego di farlo al mio indirizzo di Vienna.
La saluto molto cordialmente e le auguro salute ed energia creativa.
Suo
Fred Wander
La prego di scusare la pessima qualitĂ della carta, ma Le scrivo dallâalbergo e al momento non ne ho altra a disposizione.
Fred Wander 1150 Vienna Warustr. 4/20
Mainz, March 14, 1982
Dear, esteemed Mr. Primo Levi,
As you may have already learned from Aufbau Verlag Berlin, there are difficulties regarding the publication of your two books. Since I am currently abroad in the West, I am able to explain the situation to you in greater detail.
It was neither the publishing house nor the ministry that voted against publication, but rather a circle of somewhat stubborn[1] and senile older gentlemen,[2] whose names I do not know, though I am familiar with the circle to which they belong.[3] Nevertheless, I would ask you to treat this letter as confidential. When I heard that your books were not to be printed this year after all, I was outraged and made an appointment last week with the Deputy Minister of Culture, Mr. Höpcke. Well, I spoke with Höpcke, and he assured me that he was by no means opposed to the publication of your booksâon the contrary, he thought they were excellentâbut that he had nevertheless yielded to the opinion of certain influential figures.[4] I told him that the same people were also opposed to the publication of my book The Seventh Well and that I had to fight for half a year to refute all the arguments from their side.[5] He has now agreed to arrange a meeting for me with those gentlemen. However, it is not scheduled to take place until the fall, which means that, in the best-case scenario, your books could be published in 1983 or 1984 at the earliest. In any case, I am determined to fight to ensure that they can be published. I explained to the minister that, in my opinion, we do not have the right to forgo these books, especially not for the sake of the youth of the DDR.
He agreed with me completely. I also maintain that, given the current state of reckoning with Germanyâs past (which is dismal), we cannot do without the publication of your two books. The minister agreed with me on this point as well. The people at the publishing house are supporting my efforts, and I will keep you informed of developments. Should you feel inclined to write me a brief reply, please send it to my address in Vienna.
I send you my warmest regards and wish you good health and creative energy.
Yours,
Fred Wander
Please excuse the poor quality of this paper, I am writing from a hotel and have no other paper available at the moment
Info
Note
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Mittente: Fred Wander
Destinatario: Primo Levi
Data di stesura: 1982-03-14
Luogo di stesura: Berlino Est
Descrizione del documento: lettera ds. su carta velina con firma ms. a biro blu e sottolineature e inserti ms. a stilografica blu. Lâindirizzo di Wander Ăš riquadrato da quattro segni ms. a biro blu.
1
«verbohrten» Ú sottolineato a stilografica blu. Accanto, sul margine interno del foglio Levi annota «ostinato, stravag.».
2
Si tratta del Komitees der Antifaschistischen WiderstandskĂ€mpfer (KdAW), ente creato nel 1953 con stretti legami con la SED, che di fatto funzionava come organo censorio parallelo al Ministero della cultura. In quegli anni era diretto da Otto Funke, che firma il definitivo parere negativo sui libri di Levi il 24 novembre 1981. A pesare particolarmente sul veto del KdAW fu probabilmente lâappartenenza di Levi al Comitato internazionale di collegamento dei reduci di Auschwitz (CILAA), animato da Hermann Langbein tra gli altri e dichiaratamente anti-sovietico. Levi aveva firmato lâadesione con una lettera a Langbein del 15 luglio 1970, che si puĂČ trovare qui: lettera 25. Sulla vicenda si veda lâApprofondimento.
3
«den Kreis» Ú sottolineato a stilografica blu.
4
«habe aber doch vor der Meinung einiger Persönlichkeiten kapituliert» Ú sottolineato a stilografica blu.