119. Brigitte Distler a Primo Levi, 22 dicembre 1962

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Nota al testo


Distler scrive questa lettera come accompagnamento di un piccolo dono natalizio per Levi: un caleidoscopio.

22 Dezember 1962

 

Sehrgeehrter Herr Dr.Levi!

Bitte verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen wieder schreibe, obwohl ich genau weiß, daß Sie darüber nicht erfreut sind. Aber ich hatte mir schon seit langem vorgenommen, Ihnen so oft und so lange ich kann etwas zu schenken und vielleicht freuen Sie sich doch ein wenig?

Ich habe Ihr Buch inzwischen vielen Menschen gegeben, die ich kenne, und ich selbst lese auch immer wieder darin: Denn Sie zeigen mir, daß ich im Gegensatz zu Ihnen damals in einer unvergleichlich schönen Welt leben darf, auch wenn ich das oft vergesse und unzufrieden bin. Durch Sie habe ich einen möglichen Weg erkannt, den ich gehen kann, wenn ich Mut habe. Aber sicher ist es überheblich von mir, zu denken, man könnte die Menschen auf irgendeine Weise ändern. Auch ist das Leben so kurz und unberechenbar.[1]

Furchtbar ist die Tatsache, mit den Mördern von gestern unter einem Dach leben und auskommen zu müssen. Wie ist es möglich, daß man auch nur ein Wort mit ihnen wechselt, zum Beispiel “Bitte” und “Danke”? Mir scheint es manchmal so, als ob diese Individuen in leibhaftiger Gestalt des Bösen zwischen uns herumgehen und uns mit der giftigen Atmosphäre der Kompromißbereitschaft und der freundlichen Lüge ersticken wollen. Ebenso sehe ich ganz plötzlich Menschen mit riesigen goldnen Engelsflügeln vor mir: als Hüter des Guten und der göttlichen Ordnung. Und das ist Keine Phantasie, sondern Wirklichkeit.

Auch von Ihnen habe ich eine bestimmte Vorstellung: Sie, einem entsetzlichen Zustand entronnen, noch fremd und wie im Traum[2] in dieser welt lebend (Sie mögen mir meine Anmaßung verzeihen!).[3] Und ich denke immer, daß ich Ihnen ein Kleid machen müßte, wie es die Helden mancher Märchen und Sagen tragen, ein Kleid, das Sie gegen alle Gefahren der Welt schützt.[4] Natürlich ist diese Vorstellung verrückt und falsch. Aber ist das Leben nicht erfüllt von Bildern und Gleichnissen?

Was ich Ihnen hier schenke, ist nichts Besonderes und auch nicht geschmackvoll. Es ist eigentlich ein Spielzeug für Kinder und ich habe lange gesucht bis ich es fand. Es gibt heute alles zu kaufen und mit Grauen sehe ich – besonders jetzt vor Weihnachten – die Menschen in einem wilden Tanz um das goldene Kalb vereint und ich habe Angst, auch schon dabei zu sein!

Ich dachte mir, daß Sie oft von anstrengender Arbeit müde und vielleicht traurig sind und daß sie sich dann mit diesem Spelzeug ein wenig ablenken können. Denn ich habe an anderen Menschen beobachtet, wie still und freundlich sie wurden, wenn sie durch dieses “Kaleidoskop”[5] sahen (Sie müssen es gegen das Licht halten und langsam drehen) Wenn Sie nichts damit anzufangen wissen, so geben Sie es vielleicht Ihrem kleinen Sohn oder sonst irgendeinem Kind, denn Kindern gefällt so etwas natürlich auch.

Ich hoffe ganz fest, daß Sie sich nicht verpflichtet fühlen, mir zu danken, denn das wäre das Schlimmste für mich. Was ich wollte, war, Ihnen eine winzige Freude zu bereiten und Ihnen zu versichern, daß ich Ihnen jeden Tag alles Herrliche dieser Welt wünsche.

 

Ihre Brigitte Distler

22 dicembre 1962

 

Stimatissimo Dottor Levi!

mi perdoni se Le scrivo di nuovo, pur sapendo bene che non Le fa piacere, ma mi ero ripromessa da tempo di farLe, ogni volta che posso,  un piccolo dono, e chissà se questo Le sarà gradito almeno un po’?

Nel frattempo ho fatto leggere il Suo libro a molte persone che conosco e io stessa torno a rileggerlo di continuo. Perché Lei mi mostra che, a differenza di quanto è accaduto a Lei in quegli anni, io posso vivere in un mondo di una bellezza impareggiabile, anche se spesso me lo dimentico e sono scontenta. Grazie a Lei ho intravisto una via possibile che potrei percorrere, se ne avrò il coraggio. Ma certo è presuntuoso da parte mia pensare che in qualche modo gli esseri umani si possano cambiare. In più la vita è breve e imprevedibile.[1]

Dover vivere sotto lo stesso tetto con gli assassini di ieri è mostruoso. Com’è possibile scambiare con loro anche solo una parola come “per favore” o “grazie”? A volte mi sembra che questi individui siano la personificazione del male  che si muove in mezzo a noi, soffocandoci con l’atmosfera venefica del compromesso e della menzogna benevola. Poi, allo stesso modo, mi capita all’improvviso di vedere intorno a me persone con enormi ali d’angelo dorate: i custodi del bene e dell’ordine divino. E questa è realtà, non fantasia.

Di Lei, poi,  ho un’immagine precisa: La penso scampato a una condizione spaventosa, che vive in questo mondo ancora straniero e come in sogno[2] (mi perdoni l’ardire!).[3] E penso sempre che dovrei farLe un abito come quelli che portano gli eroi di certe fiabe e leggende, un abito che La protegga da tutti i pericoli del mondo.[4] Naturalmente so che questa è un’idea assurda e sbagliata. Ma la vita non è forse piena di immagini e di similitudini?

Il dono che Le mando oggi non è niente di speciale e neppure di particolare eleganza. In realtà si tratta di un giocattolo per bambini e ho dovuto cercarlo a lungo prima di trovarlo. Oggi in vendita si trova di tutto e con orrore vedo – soprattutto adesso, con il Natale alle porte – le persone unirsi in una danza selvaggia attorno al vitello d’oro, e temo di farne già parte anch’io!

Ho pensato che, stanco per il Suo lavoro faticoso che svolge e forse triste, potrebbe distrarsi un po’ con questo giocattolo. Ho visto altre persone diventare più calme e gentili quando guardavano attraverso questo “caleidoscopio”[5] (bisogna tenerlo contro la luce e girarlo lentamente). Se non saprà che farsene, potrà sempre darlo a Suo figlio piccolo o a un altro bambino, perché ai bambini, naturalmente, piace molto. 

Spero vivamente che non si senta in alcun modo obbligato a ringraziarmi: questo sarebbe per me il peggio. Io ho soltanto voluto procurarLe una piccolissima gioia e assicurarLe che ogni giorno Le auguro tutto ciò che di meraviglioso esiste al mondo.

 

Sua Brigitte Distler



22 Dezember 1962

 

Sehrgeehrter Herr Dr.Levi!

Bitte verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen wieder schreibe, obwohl ich genau weiß, daß Sie darüber nicht erfreut sind. Aber ich hatte mir schon seit langem vorgenommen, Ihnen so oft und so lange ich kann etwas zu schenken und vielleicht freuen Sie sich doch ein wenig?

Ich habe Ihr Buch inzwischen vielen Menschen gegeben, die ich kenne, und ich selbst lese auch immer wieder darin: Denn Sie zeigen mir, daß ich im Gegensatz zu Ihnen damals in einer unvergleichlich schönen Welt leben darf, auch wenn ich das oft vergesse und unzufrieden bin. Durch Sie habe ich einen möglichen Weg erkannt, den ich gehen kann, wenn ich Mut habe. Aber sicher ist es überheblich von mir, zu denken, man könnte die Menschen auf irgendeine Weise ändern. Auch ist das Leben so kurz und unberechenbar.[1]

Furchtbar ist die Tatsache, mit den Mördern von gestern unter einem Dach leben und auskommen zu müssen. Wie ist es möglich, daß man auch nur ein Wort mit ihnen wechselt, zum Beispiel “Bitte” und “Danke”? Mir scheint es manchmal so, als ob diese Individuen in leibhaftiger Gestalt des Bösen zwischen uns herumgehen und uns mit der giftigen Atmosphäre der Kompromißbereitschaft und der freundlichen Lüge ersticken wollen. Ebenso sehe ich ganz plötzlich Menschen mit riesigen goldnen Engelsflügeln vor mir: als Hüter des Guten und der göttlichen Ordnung. Und das ist Keine Phantasie, sondern Wirklichkeit.

Auch von Ihnen habe ich eine bestimmte Vorstellung: Sie, einem entsetzlichen Zustand entronnen, noch fremd und wie im Traum[2] in dieser welt lebend (Sie mögen mir meine Anmaßung verzeihen!).[3] Und ich denke immer, daß ich Ihnen ein Kleid machen müßte, wie es die Helden mancher Märchen und Sagen tragen, ein Kleid, das Sie gegen alle Gefahren der Welt schützt.[4] Natürlich ist diese Vorstellung verrückt und falsch. Aber ist das Leben nicht erfüllt von Bildern und Gleichnissen?

Was ich Ihnen hier schenke, ist nichts Besonderes und auch nicht geschmackvoll. Es ist eigentlich ein Spielzeug für Kinder und ich habe lange gesucht bis ich es fand. Es gibt heute alles zu kaufen und mit Grauen sehe ich – besonders jetzt vor Weihnachten – die Menschen in einem wilden Tanz um das goldene Kalb vereint und ich habe Angst, auch schon dabei zu sein!

Ich dachte mir, daß Sie oft von anstrengender Arbeit müde und vielleicht traurig sind und daß sie sich dann mit diesem Spelzeug ein wenig ablenken können. Denn ich habe an anderen Menschen beobachtet, wie still und freundlich sie wurden, wenn sie durch dieses “Kaleidoskop”[5] sahen (Sie müssen es gegen das Licht halten und langsam drehen) Wenn Sie nichts damit anzufangen wissen, so geben Sie es vielleicht Ihrem kleinen Sohn oder sonst irgendeinem Kind, denn Kindern gefällt so etwas natürlich auch.

Ich hoffe ganz fest, daß Sie sich nicht verpflichtet fühlen, mir zu danken, denn das wäre das Schlimmste für mich. Was ich wollte, war, Ihnen eine winzige Freude zu bereiten und Ihnen zu versichern, daß ich Ihnen jeden Tag alles Herrliche dieser Welt wünsche.

 

Ihre Brigitte Distler

22 dicembre 1962

 

Stimatissimo Dottor Levi!

mi perdoni se Le scrivo di nuovo, pur sapendo bene che non Le fa piacere, ma mi ero ripromessa da tempo di farLe, ogni volta che posso,  un piccolo dono, e chissà se questo Le sarà gradito almeno un po’?

Nel frattempo ho fatto leggere il Suo libro a molte persone che conosco e io stessa torno a rileggerlo di continuo. Perché Lei mi mostra che, a differenza di quanto è accaduto a Lei in quegli anni, io posso vivere in un mondo di una bellezza impareggiabile, anche se spesso me lo dimentico e sono scontenta. Grazie a Lei ho intravisto una via possibile che potrei percorrere, se ne avrò il coraggio. Ma certo è presuntuoso da parte mia pensare che in qualche modo gli esseri umani si possano cambiare. In più la vita è breve e imprevedibile.[1]

Dover vivere sotto lo stesso tetto con gli assassini di ieri è mostruoso. Com’è possibile scambiare con loro anche solo una parola come “per favore” o “grazie”? A volte mi sembra che questi individui siano la personificazione del male  che si muove in mezzo a noi, soffocandoci con l’atmosfera venefica del compromesso e della menzogna benevola. Poi, allo stesso modo, mi capita all’improvviso di vedere intorno a me persone con enormi ali d’angelo dorate: i custodi del bene e dell’ordine divino. E questa è realtà, non fantasia.

Di Lei, poi,  ho un’immagine precisa: La penso scampato a una condizione spaventosa, che vive in questo mondo ancora straniero e come in sogno[2] (mi perdoni l’ardire!).[3] E penso sempre che dovrei farLe un abito come quelli che portano gli eroi di certe fiabe e leggende, un abito che La protegga da tutti i pericoli del mondo.[4] Naturalmente so che questa è un’idea assurda e sbagliata. Ma la vita non è forse piena di immagini e di similitudini?

Il dono che Le mando oggi non è niente di speciale e neppure di particolare eleganza. In realtà si tratta di un giocattolo per bambini e ho dovuto cercarlo a lungo prima di trovarlo. Oggi in vendita si trova di tutto e con orrore vedo – soprattutto adesso, con il Natale alle porte – le persone unirsi in una danza selvaggia attorno al vitello d’oro, e temo di farne già parte anch’io!

Ho pensato che, stanco per il Suo lavoro faticoso che svolge e forse triste, potrebbe distrarsi un po’ con questo giocattolo. Ho visto altre persone diventare più calme e gentili quando guardavano attraverso questo “caleidoscopio”[5] (bisogna tenerlo contro la luce e girarlo lentamente). Se non saprà che farsene, potrà sempre darlo a Suo figlio piccolo o a un altro bambino, perché ai bambini, naturalmente, piace molto. 

Spero vivamente che non si senta in alcun modo obbligato a ringraziarmi: questo sarebbe per me il peggio. Io ho soltanto voluto procurarLe una piccolissima gioia e assicurarLe che ogni giorno Le auguro tutto ciò che di meraviglioso esiste al mondo.

 

Sua Brigitte Distler




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